Geschlechterunterschiede im Wahlverhalten

Am 24. September 2017 sind Bundestagswahlen in Deutschland, d.h. der Wahlkampf rückt immer näher. Wer vorne liegt, hängt auch ein bisschen davon ab, wie die Wahlkampfstrategien der einzelnen Parteien aussehen. Für die Parteien ist also eine möglichst gute Prognose des Wahlverhaltens wichtig. In den letzten Jahren fiel Wahlforschern und empirischen Sozialwissenschaftler auf, dass es offensichtlich Unterschiede im Wahlverhalten von Männern und Frauen gibt. Eine interessantes Paper zu dem Thema ist:

Persuasion and gender : experimental evidence from two political campaigns
Vincenzo Galasso and Tommaso Nannicini
2015, London : Centre for Economic Policy Research
86 Seiten, Illustrationen
Discussion paper series / Centre for Economic Policy Research / Public economics ; DP 11238

Die Autoren führen dazu Feldstudien zu zwei Bürgermeisterwahlen in Italien durch. Einmal in Mailand und zum anderen in der Kleinstadt Cava de’ Tirreni. Der Trick in den  Experiment ist, dass drei zufällig ausgewählte Gruppen mit unterschiedlichen Wahlkampfbotschaften beeinflusst wurden. Bei einer Gruppe zielte die Wahlkampagne darauf den eigenen Kandidaten möglichst positiv darzustellen und sich mit dem politischen Gegner sachlich auseinanderzusetzen. In der anderen Kampagne wird der Schwerpunkt auf eine möglichst negative Darstellung des politischen Gegners gelegt. Die dritte Gruppe wurde keiner Wahlwerbung ausgesetzt und entschied auf der Basis allgemein zugänglicher Informationen.
Das Ergebnis dieser Studien ist auch hier, dass es Geschlechterunterschiede im Wahlverhalten gibt. Hier zeigte sich, dass Frauen von einer positiven Wahlkampagne mehr beeinflusst wurden als Männer und umgekehrt.
Was ist dafür der Grund ? Die Autoren – denen selbstverständlich bewusst ist, dass auch andere Faktoren das Wahlverhalten bestimmen – vermuten den Grund in einem Geschlechterunterschied bei der Einstellung zum „Wettbewerb“. Frauen verhalten sich mehr kooperativ und streben Harmonie an. Männer dagegen reagieren stärker auf aggressive Formen der Auseinandersetzung.
Wenn die Wahlanalysen (von ARD und ZDF) nach der US-Wahl korrekt sind, dann wurde genau dies in den USA beobachtet. Der „angry white man“ fühlte sich von Donald Trump angesprochen und die Frauen tendierten mehr zu Hillary Clinton.
Was bedeutet dies nun für die Wahlkampfstrategen in der kommenden Bundestagswahl ?
Sie müssen einen Spagat machen zwischen einerseits positiver, sachlicher Wahlwerbung und andererseits auch den politischen Gegner hart „bekämpfen“.
Am Besten wäre es, wenn sie mit unterschiedlicher Wahlwerbung direkt die Geschlechter getrennt ansprechen könnten. Im Internet wäre dies heutzutage möglich, da man dort die Vorlieben von Männern (Sportportale) und Frauen (Modeseiten) kennt und auf deren Webseiten Werbebanner mit unterschiedlichen Botschaften einbinden könnte.
Im klassischen Wahlkampf ist dies viel schwieriger. Der Autor dieses Beitrags wartet jetzt schon gespannt darauf, wie Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern dieser Spagat gelingt.

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