Die Reformation „frisst“ ihre Kinder

Im Jahr 2017 begehen wir das 500 Jubiläumsjahr der Reformation. Der Thesenanschlag von Martin Luther am 31. Oktober veränderte in den nachfolgenden Jahrzehnten Europa.
Genauso wichtig für die Zukunft war Luthers Übersetzung der Bibel, die er 1521 begann. Die Erfindung des Buchdruck circa 70 Jahre zuvor, ermöglichte die tausendfache Vervielfältigung und Verbreitung der Bibel. Der Grundsatz der Reformation „sola scriptura“ (Vermittlung der christlichen Botschaft „allein durch die Schrift“) führte dazu, dass viele protestantische Fürsten dafür sorgten, dass ihre Untertanen lesen und schreiben lernten kurzum der Anfang jeglicher breiter Bildung begann.

Doch wie hängen Bildung und „Bibel“ (Glaube) heute zusammen. Dies untersuchen Naci Mocan und Luiza Pogorelova für Europa in der heutigen Zeit in dem Arbeitspapier:

Compulsory schooling laws and formation of beliefs : education, religion and superstition
Naci Mocan; Luiza Pogorelova
2014, Cambridge, Mass., 64 S., graph. Darst.
NBER working paper series ; 20557

Bei Ihrer Untersuchung nutzen sie die Tatsache aus, dass in den 60er und 70er Jahren viele europäische Länder die Schulpflicht (Anzahl der Schuljahre) verlängerten. Dann schauten sie sich an, wie sich in der Folgezeit der religiöse Glaube und die religiösen Praktiken der Menschen veränderten, dabei verwendeten sie Daten des „European Social Survey“ aus den Jahren 2002-2013. In dieser Umfrage wurde unter anderem danach gefragt, wie religiös sich die Befragten selber einschätzten.
Ergebnis: die Ausweitung der Schulpflicht führte zu einem eindeutigen Rückgang der selbsteingeschätzten Religiosität. Gleiches untersuchten sie auch für den Zusammenhang zwischen Bildung und Aberglaube, auch hier fanden sie eine negative Relation.
Vermutlich wären die Ergebnisse etwas anders ausgefallen, wenn man Daten hätte für die Zeit vor der Aufklärung des 17. und 18. Jahrhunderts. Aber auch hier gilt, dass die Aufklärung ohne weitverbreitete Lese- und Schreibkenntnisse undenkbar gewesen wäre.

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