Geduld und der Reichtum der Nationen

Untersuchungen haben ergeben, dass geduldige Menschen, d.h. Menschen mit Langfristorientierung, erfolgreicher sind als ungeduldige Menschen. Was für Menschen gilt, dass gilt auch in der Summe für Völker und Kulturen. So gibt es Gesellschaften deren Populationen geduldiger und erfolgreicher sind als andere Nationen.
Doch warum gibt es diese Unterschiede zwischen den Völkern?

Die Autoren Oded Galore und Ömer Özak glauben, dass sie die Ursache in der Agrargeschichte der Länder gefunden haben. In ihrem Paper:

The agricultural origins of time preference
Oded Galor; Ömer Özak
2014
Cambridge, Mass. 107 S. graph. Darst., Kt.
NBER working paper series ; 20438

führen sie die Unterschiede zurück auf die geographischen Variationen in der Agrarbodenproduktivität und deren Wirkungen auf den Ernteertrag von landwirtschaftlichen Investitionen. Regionen, in denen in der Vergangenheit Pflanzen angebaut wurden, die eine hohen Bodenertrag abwerfen auf den aber länger gewartet werden muss, führen zu einer stärkeren Langfristorientierung in der Bevölkerung. Um auszuschließen, dass die Wirkung genau umgekehrt ist, d.h. eine Langfristorientierung der Menschen zu einem höheren Bodenertrag führt, nutzen sie einen Umbruch in der Agrargeschichte der Menschheit aus, und zwar die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus.
Die Autoren vergleichen den potentiellen Bodenertrag von Pflanzen vor der Wirkung des Kolumbus-Effekts (Columbian Exchange). Der Kolumbus-Effekt ist die Tatsache, dass der rege Handel und Austausch zwischen der „neuen“ und „alten“ Welt dazu führte, dass landwirtschaftliche Anbaupflanzen aus Europa nach Südamerika gelangten und umgekehrt. Vor der Wirkung des Kolombus-Effekts wurden in Europa hauptsächlich Pflanzen angebaut, die die Menschen dazu zwang länger auf die Ernte zu warten. Mit der Zeit änderte sich die Zeitpräferenzen in der Bevölkerung hin zu einer Langfristorientierung. In Südamerika war es dagegen genau umgekehrt. Die Autoren zeigen sogar, dass die Zeitpräferenzen so verinnerlicht sind, dass sie noch heute bei Migranten der Zweiten-Generation nachzuweisen sind. Europäer haben eine höhere Langfristorientierung als Einwanderer aus Südamerika.
In dem Forschungspapier werden umfangreiche Datensätze ausgewertet. Die Daten zur Zeitpräferenz stammen aus der relativ bekannten Untersuchung von Hofstede et al.:

Hofstede, Geert.
Cultures and Organizations: Software of the Mind ; Intercultural Cooperation and Its Importance for Survival.
3. ed., rev. and expanded.
New York, NY [u.a.] : McGraw-Hill, 2010.

Die Statistiken zu den potentiellen Bodenerträgen von Anbaupflanzen kommen aus dem Global Agro-Ecological Zones Projekt (GAEZ) der Welternährungsorganisation der Vereinte Nationen (FAO).

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