Kriegspropaganda wirkt – leider !

Rolf Dobelli stellt in seinem Bestseller Die Kunst des klugen Handelns – 52 Irrwege die Sie am Besten anderen überlassen“ den Schläfereffekt vor. Dabei beschreibt er eine Studie aus den USA zu , die untersuchte, ob die Propagandafilme des Kriegsministeriums (nach Kriegseintritt der USA im 2. Weltkrieg) auch wirkten. „Das Ergebnis war enttäuschend: Die Filme stärkten die Kriegsbegeisterung nicht im Geringsten….“ (Rolf Dobelli). Allerdings wurden nach 9 Wochen die gleichen Personen nochmal befragt und diesmal war die Sympathie für den Krieg gestiegen: „Offenbar funktioniert Propaganda doch!“ (Rolf Dobelli) nur eben mit einem time-lag.

Ein ähnliches Ergebnis ergab sich in einem ganz anderen Zusammenhang. In dem NBER Arbeitspapier

Curriculum and ideology
Davide Cantoni; Yuyu Chen; David Y. Yang; Noam Yuchtman; Y. Jane Zhang
2014, Cambridge, Mass.
45, 24 S., graph. Darst., Kt.
NBER working paper series ; 20112

Die Autoren untersuchten eine Lehrplanreform in China im Studiengang Politikwissenschaft. Ziel der Reform der Regierung war es, die chinesischen Studierenden in eine bestimmte ideologische Richtung zu beeinflussen. Die Autoren nutzten die Tatsache, dass die Reform über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Provinzen zu unterschiedlichen Zeiten eingeführt wurde. Sie befragten dann die Studierenden zu ihren politischen Einstellungen, wobei sie ihre Fragen so stellten, dass die Studierenden nicht im vorauseilenden Gehorsam die offizielle Linie äußern mussten. Außerdem wählten sie Unis aus, die als sehr liberal gelten und wo man sich auch kritisch äußern darf ohne Repressalien fürchten zu müssen. Dann verglichen sie die Antworten der Studierenden in Provinzen wo die Reform schon stattgefunden hatte mit den Antworten der Studentinnen und Studenten die noch nach dem alten Lehrplan unterrichtet wurden.
Das Ergebnis: die Lehrplanänderungen wirkten alle in die von der Regierung gewünschten ideologischen Richtung.

Offenbar gelingt es Regierungen nicht nur das „gemeine“ Volk zu beeinflussen sondern selbst intelligente Menschen mit Hochschulreife (wie in China) können ideologisch indoktriniert werden.
Dies ist leider eine schlechte Nachricht für alle friedliebenden Demokratien und eine gute Nachricht für alle Diktaturen und „Putins“ in dieser Welt.
Allerdings zeigt der Untergang des Sozialismus 1989/1990, dass die Beeinflussung nicht gelingt, wenn Propaganda und Realität zu weit auseinanderklaffen. In der DDR glaubte am Ende keiner mehr an die Überlegenheit des Arbeiter- und Bauernparadies, da man sah, dass es den Menschen im Kapitalismus viel besser geht.
Insofern macht es vielleicht Sinn auf die Aggression von Putin mit Wirtschaftsboykott zu antworten.

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