Wissenschaftliche Journals bald out und Bücher für die Ewigkeit?

Zur Weihnachtszeit bin ich auf zwei voneinander unabhängige sehr interessante Blogbeiträge gestossen.

Im RePEc Blog (ein Portal für wirtschaftswissenschaftliche Arbeitspapiere) diskutiert einer der RePEc-Verantwortlichen unter dem Titel „Why Journals?“, ob wir überhaupt noch wirtschaftswissenschaftliche Fachzeitschriften brauchen.
Sein Ergebnis: Nein, sie werden bald aussterben, denn ihre frühere Funktion als Qualitätssignal wird von Portalen wie RePEc bestens ersetzt für:

  • Forscher: wegen der Spezialisierung werden von den einzelnen Wissenschaftler 90 % der Artikel gar nicht gelesen, da sie nicht das eigene Spezialgebiet betreffen. Außerdem möchten die Forscher frei sein in der Auswahl der Artikel, die sie lesen und nicht abhängig von Experten, die in einem Referee-Prozess entscheiden was in der Zeitschrift veröffentlicht wird oder nicht. Hinzu kommt, dass es Beispiele dafür gibt, dass die „Referees“ einen Artikel durch ihre Vorschläge eher verschlimmbessert haben oder gute Artikel aus ideologischen Gründen abgelehnt haben.
    Auch erhöht nach den Erfahrungen des RePEc-Autors eine Publikation in einer Zeitschrift nicht die Anzahl der Zitationen. Im Gegenteil werde viel stärker die elektronische Vorabveröffentlichung von den Kolleginnen und Kollegen zitiert. Die Forscher haben also keine Vorteile davon, dass das Publikationsmodell wissenschaftliche Fachzeitschrift fortgeführt wird.
  • Berufungskommissionen: Die Anzahl der Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften nehmen oft Berufungskommissionen als Kriterium für ihre Entscheidung  jemanden auf einen Lehrstuhl zu berufen oder nicht. Aber dies – so der RePEc-Autor – wären ignoranten Kommissionen, wenn sie die elektronischen Veröffentlichungen und deren  Zitationen völlig außer Acht lassen würden, denn auch hier gelten die unter „Forscher“ angegebenen Argumente. Die Anzahl der Zitationen eines Papers sei ein viel besserer Indikator als sich an Journal-Rankings zu orientieren.
  • Bibliotheken: Für Bibliothekare sind Journal-Rankings eine Entscheidungshilfe bei den Beschaffungsentscheidungen. Die sei aber – so die Ansicht des RePEc-Autors – kein Grund nur deswegen wissenschaftliche Fachzeitschriften am Leben zu erhalten. Im Gegenteil ohne Journals hätten die Bibliothekare kein Entscheidungsproblem und könnten sich auf die Auswahl von Büchern konzentrieren und effizienter arbeiten.

Gegen Ende seines Artikels schreibt der RePEc-Autor dann:

„Imagine we had no economics journals. What would happen? Presumably people would write more books. I would consider this an advantage, as knowledge is much too fragmented at the moment.“

Mehr Bücher statt Journals, dies bringt mich zu dem anderen Blogartikel in netbib, der auf einen interessanten Artikel (bzw. Vorabdruck eines  Buchbeitrages) von Robert Darnton in Telepolis bei heise aufmerksam macht. Darnton stimmt dort ein Loblied auf das gedruckte Buch und die gute alte Bibliothek an. Insbesondere kritisiert er das Massendigitalisierungsprojekt von Google Books und zeigt hier Mängel und mögliche Fehlerquellen auf, die auch für andere Massendigitalisierungsprojekte Gültigkeit haben, die er in acht Punkten abhandelt:

  1. Google Books wird niemals alle Bücher digitalisieren können, selbst wenn es 90 % wären, könnten die verbleibenden 10 % von Bedeutung sein.
  2. Google wird nicht mal alle Bücher der USA schaffen, da es zwischen den Beständen der Bibliotheken, mit denen Google Verträge abgeschlossen hat, Überschneidungen gibt.
  3. Auch ist das Copyright-Problem für Google Books immer noch nicht abschliessend geklärt. Außerdem kommen jedes Jahr in den USA 200.000 Bücher hinzu, wie soll Google da Schritt halten?
  4. Unternehmen können Pleite gehen – auch Google – wissenschaftliche Biliotheken überdauern Jahrhunderte.
  5. Auch Google wird Fehler machen. Seiten werden übersehen oder in schlechter Qualität digitalisiert trotz strengster Qualitätskontrollen.
  6. Es gibt keine Garantie dafür, dass die Kopien von Google die Zeit überdauern. Die Technik könnte eines Tages überholt und die Dokumente nicht mehr lesbar sein. Nichts speichert langfristig besser und kostengünstiger als Druckerschwärze auf Papier.
  7. Welche Ausgabe (z. Bsp. von Shakespeare) wird digitalisiert. Es besteht die Gefahr, dass nur die von Google digitalisierte Ausgabe eines Werkes wahrgenommen wird und andere nicht und selbst wenn Google alle Ausgaben digitalisieren sollte, welche davon wird in der Trefferliste von Google und nach welchen Kriterien nach oben gerankt? Google beschäftigt offenbar tausende Ingenieure aber keinen einzigen Bibliographen – meint Darnton.
  8. Selbst wenn das digitale Bild eines Werke exakt wiedergegeben wird, wird die Haptik und die besonderen Merkmale eines Buches (insbesondere von älteren Werken) verlorengehen.

Darnton´s Fazit: Das gedruckte Buch ist nach wie vor das beste Langzeitarchivierungsmedium und jederzeit sofort ohne technische Hilfsmittel nutzbar und daher werde auch die gute alte Bibliothek noch gebraucht.

auf einen interessanten Artikel aufmerksam http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31742/1.html
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3 Kommentare

Eingeordnet unter Wissenschaftliche Bibliothek, Zeitschrift

3 Antworten zu “Wissenschaftliche Journals bald out und Bücher für die Ewigkeit?

  1. WiBiblo

    Bemerkungen von T.B.
    – Die These, dass die Zeit der etablierten Journals zu Ende geht, ist zu einem guten Teil Wunschdenken – und zwar derjenigen, die in der Scientific Community (noch) nicht etabliert sind.

    – Der Hinweis, dass in bisherigen (ja vergleichsweise kurzfristigen) Digitalisierungsprojekten (noch) Fehler gemacht wurden (so wie übrigens auch über Jahrhunderte hinweg im konventionellen Buchdruck auch), ist doch kein Argument gegen das Geschäftsmodell an sich, sondern höchstens gegen seine konkrete Durchführung! Perspektivisch wird es hier keinen anderen Weg geben, weil in Zukunft immer mehr und ausschließlich Digitalisate gesucht und gelesen werden. Ferrner werden Scanprojekte von der Tendenz her an Professionalität und Qualität gewinnen.

  2. Voma Nuckof

    An sich n guter Post, nur kannst du beim nächsten Mal nicht n bisschen detaillierter sein? Das wäre in der Tat toll 😉

  3. Johnk959

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