Informationslösungen in Unternehmen

Informationslösungen in Unternehmen

Kurzbericht von einer Session auf dem Bibliothekartag 2008 in Mannheim
(Was können wir von Firmenbibliotheken lernen?)

Vier Vorträge von Informationsdienst-Leitern (ID-Stellen) und Leiterinnen aus Großunternehmen:

Siemens , McKinsey, Deutsche Bank und Daimler

  • Alle Unternehmen verfolgen eine E-Only-Strategie in der Informationsversorgung. Nur noch ein Unternehmen (Siemens) hat eine Firmenbibliothek als Lernort für Weiterbildungszwecke.
    Werden Print-Materialien benötigt, dann werden diese fremd eingekauft.
    Bücher werden nicht über Bibliotheken beschafft, da die Kundinnen und Kunden der ID die Bücher längerfristig brauchen und nicht von Leihfristen abhängig sein wollen.
  • Die Organisationsstruktur und das Dienstleistungsspektrum sind bei allen ID-Stellen sehr unternehmensspezifisch ausgerichtet. McKinsey ID hat Standorte in aller Welt, die Mitarbeiter arbeiten auch mit Beraterteams vor Ort. Daimler sehr zentral und deren Nutzer sind auf einem lokal engen Raum begrenzt.
    Die Dienstleistungen und Produkte sind natürlich abhängig vom unternehmensspezifischen Informationsbedarf, aber alle benötigen selbstverständlich auch Wirtschaftsinformationen (siehe unten)
    Strategiewechsel im Konzern (Zukäufe oder Veräußerung von Unternehmensteilen) führen unmittelbar zu einer anderen Informationsnachfrage (vergleichbar mit Änderung des Sammelgebiets in Bibliothek).

Wie finanzieren sich die ID-Stellen in den Großunternehmen?

Die ID-Stellen von zwei Unternehmen müssen sich selbst finanzieren (Kosten einspielen) und die anderen beiden haben ein Budget mit dem sie auskommen müssen.

Die ID-Stellen werden von den Konzernleitungen als Kostenblock angesehen, daher kommt regelmäßig (alle paar Jahre) die Anforderung Kosten einzusparen über „Strategie- und Fitnessprogrammen“.

Welche Informationen brauchen die Unternehmen und für welche Informationen – über die Grundversorgung hinaus – ist man bereit Geld zu bezahlen ?

Generell sind die Unternehmen bereit für alle Informationen Geld zu bezahlen, die in direkten Zusammenhang mit wirtschaftlichen Folgen stehen!

Ein Vertreter der Industrie ( Siemens ) nannte folgende Reihenfolge.

1)      Patentinformationen ( Patentklagen, hohe Forschungskosten) -> Geld spielt keine Rolle

2)      Normen und Standards ( Produkthaftung, Exportbeschränkungen) -> Geld spielt fast keine Rolle

3)      Wirtschafts-, Branchen-, Finanz- , Wettbewerbs- und Firmeninformationen (Kreditwürdigkeit von potentiellen Kunden) -> seltener bereit Geld zu bezahlen

4)      Naturwissenschaftliche, technische und wirtschaftswissenschaftliche Informationen -> keine Bereitschaft dafür zusätzlich Geld auszugeben.

Die Vertreter der Dienstleistungsunternehmen (Unternehmensberatung und Bank) benötigen in erster Linie:

1)       Branchen-, Markt-, Finanz-, Wettbewerbs- und Firmeninformationen
daneben aber auch die

2)      „Klassischen“ wirtschaftswissenschaftlichen Informationen, wie BWL und volkswirtschaftliche Daten.

Welche Produkte und Dienstleistungen bieten die ID-Stellen an?

  • Recherchedienstleistungen jeder Art: „Quick Research“ für dringende Informationsbedürfnisse bis hin zu ausführlichen Informationsrecherchen für komplexe Informationsanfragen.
  • Portale für Selbstbedienung im Intranet
  • Consulting und Schulung bei Informationssuche
  • Alert und Push-Services
  • Themenreports
  • Analytische Methodenkompetenz (wird nach Ansicht des Unternehmensberaters immer wichtiger)

Generell geht der Trend von der klassischen Informationsrecherche hin zu Recherche plus Mehrwert durch Erstellung ausführlicher und anspruchsvoller Themenreports, die professionell präsentiert werden (eine ID-Stelle beschäftigt Leute, die sich nur mit textlichen oder mündlichen Präsentationstechniken befassen).

Wie sichern die ID-Stellen – trotz der geringen „Zahlungsbereitschaft“ ihrer Kundschaft – ihr Überleben im Konzern?

  • Sie führen regelmäßige Strategieprozesse durch bei denen immer wieder alle Produkte auf den Prüfstand kommen.
  • Agieren statt reagieren – die „klassische“ Firmenbibliotheken wurden aus eigenem Antrieb abgeschafft und nicht von oben verordnet!
  • Strikt auf Kundennutzen ausgerichtete Produkte und Marketingmaßnahmen für die Produkte ( Relaunch der Website: weg von der Produktsicht hin zum Aufzeigen von Nutzungsmöglichkeiten).
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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Firmenbibliothek, Informations- und Dokumentationsstelle

Eine Antwort zu “Informationslösungen in Unternehmen

  1. Pingback: Unternehmen zahlen nichts für WiWi-Literatur – Warum? « WiBiblo

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